Sexualisierte Gewalt erkennen und Unterstützung finden in Neuss
Die Scham muss die Seite wechseln – nicht Betroffene tragen Verantwortung, sondern die Täter. Sexualisierte Gewalt hat nichts mit Sexualität zu tun, sondern mit Macht und Kontrolle. Trotzdem kämpfen viele mit Schuldgefühlen, während Täter-Opfer-Umkehr und Vergewaltigungsmythen Übergriffe verharmlosen. Wir stehen solidarisch an der Seite aller Betroffenen und bieten vertrauliche Beratung und Präventionsangebote – kostenfrei und auf Wunsch anonym.
Die Schauspielerin Collien Ulmen-Fernandes hat kürzlich öffentlich über sexualisierte Gewalt gesprochen, die sie erlebt hat. Ihre Entscheidung, die Scham abzulegen und die Verantwortung dorthin zurückzugeben, wo sie hingehört – zu den Tätern –, verdient höchsten Respekt. Als Frauenberatungsstelle stehen wir solidarisch an ihrer Seite und an der Seite aller Betroffenen, die ähnliche Grenzverletzungen und Machtmissbrauch erfahren haben.
Sexualisierte Gewalt umfasst ein breites Spektrum an Übergriffen: von sexueller Belästigung über sexuelle Nötigung bis hin zu Vergewaltigung. Gemeinsam ist allen Formen, dass sie nichts mit Sexualität, aber alles mit Macht und Kontrolle zu tun haben. Die Folgen sind gravierend: Trauma, Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), Dissoziation, Flashbacks, Depression und Angststörungen prägen oft das Leben von Betroffenen. Gleichzeitig kämpfen viele mit Scham- und Schuldgefühlen – obwohl die Verantwortung ausschließlich bei den Tätern liegt.
Wenn Täter die Verantwortung verschieben
Ein besonders perfides Muster ist die Täter-Opfer-Umkehr, auch Victim Blaming genannt. Betroffene werden gefragt, was sie angehabt oder wie sie sich verhalten haben. Mütter wird vorgeworfen, ihre Kinder nicht ausreichend geschützt zu haben. Diese Vergewaltigungsmythen sind Teil einer Rape Culture, die Täterstrategien verschleiert und Betroffene in die Isolation treibt. Dabei ist die gesellschaftliche Verantwortung klar: Wer Gewalt ausübt, trägt die alleinige Schuld. Und wir fordern: Die Scham muss die Seite wechseln!
Frauen und Mütter sind nicht dafür verantwortlich, Übergriffe zu verhindern – diese Erwartung ist eine Verantwortungsverschiebung, die Täter entlastet. Stattdessen braucht es Prävention in Institutionen, Schutzkonzepte und eine Kultur, in der Grenzen setzen und Zivilcourage selbstverständlich sind.
Hilfe finden: Vertraulich, kostenfrei, anonym
Betroffene sexualisierter Gewalt stehen nicht allein da. Die Frauenberatungsstelle im Rhein-Kreis Neuss bietet kostenfreie, vertrauliche und auf Wunsch anonyme psychosoziale Beratung – persönlich oder telefonisch. Neben der Beratung für Betroffene bieten wir Präventionsangebote wie Workshops an Schulen an, um Aufklärung und Selbstbehauptung zu stärken.
Die Istanbul-Konvention verpflichtet Staaten, Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen. Wir setzen das lokal um: durch Beratung, Unterstützung für Angehörige, Selbsthilfegruppen und Vernetzung mit anderen Unterstützungseinrichtungen.
FAQs
Was genau versteht man unter Täter-Opfer-Umkehr?
Unter Täter-Opfer-Umkehr, auch Victim Blaming genannt, versteht man die Praxis, dem Opfer die Schuld oder Mitverantwortung für eine erlittene Gewalttat zuzuschreiben. Oft geschieht dies durch Fragen nach der Kleidung, dem Alkoholkonsum oder dem Verhalten der betroffenen Person. Solche Denkmuster entlasten die Täter und stigmatisieren die Opfer zusätzlich, was die Aufarbeitung des Erlebten erheblich erschwert und traumatische Belastungen verstärken kann.
Ist eine Beratung bei sexualisierter Gewalt anonym?
Ja, unser Beratungsangebot ist auf Wunsch vollständig anonym in Form einer telefonischen Beratung möglich. Wir legen großen Wert auf einen geschützten Raum, in dem Betroffene ihre Erlebnisse schildern können, ohne ihre Identität preiszugeben. Vertraulichkeit und die gesetzliche Schweigepflicht sind zentrale Bestandteile unserer Arbeit. Ob persönlich vor Ort, per E-Mail oder telefonisch – die betroffene Person entscheidet selbst, wie viel sie von sich mitteilen möchte.
Welche Unterstützung bietet die Frauenberatungsstelle konkret?
Wir bieten spezialisierte Traumaberatung an, die Betroffenen dabei hilft, akute Belastungsreaktionen und Flashbacks besser zu bewältigen. Unsere Unterstützung umfasst eine erste Orientierung nach dem Erlebten, sowie langfristige emotionale Stabilisierung. Die Beratung ist für alle Hilfesuchenden kostenfrei und findet in einer wertschätzenden Atmosphäre statt. Wir hören wertfrei zu und unterstützen individuell auf dem persönlichen Weg der psychischen Genesung.
Geht es bei sexualisierter Gewalt wirklich um Sexualität?
Nein, sexualisierte Gewalt hat primär nichts mit Sexualität oder Triebhaftigkeit zu tun, sondern ist ein massiver Ausdruck von Macht und Kontrolle. Der Täter nutzt sexuelle Handlungen als Werkzeug, um das Opfer zu demütigen, zu dominieren und zu unterwerfen. Diese Unterscheidung ist wichtig, um zu verstehen, dass niemals das Verhalten des Opfers die Tat provoziert, sondern der rein einseitige Entschluss des Täters zur Machtausübung die Ursache ist.
Wie kann ich Kontakt für eine Beratung aufnehmen?
Es gibt verschiedene Wege, uns unkompliziert zu erreichen. Sie können uns eine E-Mail schreiben oder uns telefonisch kontaktieren. Wir reagieren zeitnah und bieten Termine für persönliche Gespräche oder vertrauliche Telefonate an. Wenn wir einmal nicht erreichbar ist, hinterlassen Sie uns bitte eine Nachricht auf der Mailbox. Wir melden uns dann kurzfristig zurück. Wichtig ist nur der erste Schritt: Sie müssen mit Ihren Erlebnissen nicht alleine bleiben. Wir sind im Rhein-Kreis Neuss vor Ort für Sie da und unterstützen Sie solidarisch.




